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Nach dem milden Winter blühen die ersten Obstbäume lange vor der Zeit. Das gefährdet die Ernte.

Willi Hennebrüder vom BUND Lemgo betrachtet die Streuobstwiese am Schloss Brake mit Sorge. Dabei sieht es so schön aus hier: In voller Blüte stehen Kirschpflaume, Lerchensporn und Scharbockskraut. Aber das dürfte noch nicht sein, sagt der Experte. Er führt Buch über Besonderheiten bei Witterung, Blütezeiten und Insektenaufkommen auf der Wiese.

Die ersten Blüten an den Kirschpflaumen hat er in den vergangenen Jahren zwischen dem 24. Und 28. März notiert. Dieses Jahr begann die Blütezeit schon am 5. März. Nach dem milden, schneefreien Winter haben die ersten warmen Sonnenstrahlen Ende dieser Woche die Pflanzen endgültig aufgeweckt. Auch das Gras ist schon sattgrün. „Das ist alles vier Wochen zu früh dran“, sagt der Natur-Experte. Warme Tage im März kommen in seinen Aufzeichnungen der vergangenen Jahre häufig vor - so früh aber waren die Blüten bisher nicht dran.

Rund 100 Jahre ist die Kirschpflaume alt, die indiesem Jahr fast einen Monat zu früh blüht.

Die frühe Blüte freut den Betrachter, birgt aber ein hohes Risiko: Auch nach einem milden Winter können im Frühjahr noch kalte Nächte kommen. Je eher die Bäume blühen, desto größter ist die Gefahr von Frostschäden. Das trifft die robuste Kirschpflaume, die früher oft als Unterlage für veredelte Zwetschgen verwendet wurde, nicht so hart. Anders Apfelbäume: So führten Spätfröste im Jahr 2017 zu erheblichen Ernteausfällen, 2019 gab es ebenfalls Spätfröste. Auf der Lemgoer Streuobstwiese einfach nur schade, für Bauern ein erheblicher Verlust.

Auffällig in diesem Jahr sind auch die wenigen Hummeln. Dabei sind an diesen sonnigen Märztagen sogar schon die ersten Honigbienen unterwegs: „Die Bienen fliegen so ab 10 Grad, die Hummeln ab 6 bis 7 Grad“, sagt Willi Hennebrüder. Die puscheligen Brummer, derzeit vor allem die Hummelköniginnen, sind daher die ersten Bestäuber für die Frühblüher. Deswegen sollen die vier Kirschpflaumen auch gerade diese ersten Hummeln anlocken, damit sie auf der Streuobstwiese ihre Völker gründen und den Honigbienen beim Bestäuben helfen.

Auch die Honigbienen sind schon unterwegs.

Vielleicht ist es den Hummeln einfach noch zu früh. Auch das ist ein Problem: Bestäuber und Blüten können sich schlicht verpassen. Aber es gibt noch eine weitere Belastung für die Pflanzen, denn die Wachstumszeit wird insgesamt länger. Zugleich steht aber eher weniger Wasser zur Verfügung. Dramatisch sei das vor allem für die Fichten, sagt Willi Hennebrüder. Aber nicht nur für die: „Wenn das mit den langen Trockenphasen so bleibt, gefährdet das die Laubwälder."

Jetzt kommen erstmal ein paar frostige Nächte. Die können die Bäume etwas bremsen, aber den Frühstart komplett aufhalten werde das kältere Wetter jetzt nicht mehr, stellt Willi Hennebrüder in Aussicht. Die Mitglieder des BUND werden also weiterhin um die Ernte bangen – und die Obstbauern erst recht.

Der Lerchensporn sieht schön aus, dürfte aber eigentlich noch nicht so weit sein.

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