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Dr. Reiner Austermann nennt die aktuelle Situation eine ernste Krise. Er bittet alle Lemgoer, Kontakte zu vermeiden.

Fast zeitgleich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wendet sich auch Bürgermeister Dr. Reiner Austermann mit eindringlichen Worten an seine Bürger. Wie ernst er die Lage nimmt, zeigt schon, dass er erstmalig in seiner 20-jährigen Amtszeit eine Videobotschaft sendet. Dringend bittet er die Lemgoer, die Ratschläge zur Eindämmung der Pandemie zu befolgen.

Die Stadt Lemgo war in den vergangenen Tagen zweimal vorgeprescht und hatte striktere Maßnahmen ergriffen als das Land NRW; sowohl bei der Schließung öffentlicher Einrichtungen als auch bei der Anordnung zur Schließung von Geschäften wurden diese Entscheidungen aber durch gleiche Beschlüsse auf Landesebene nachträglich bestätigt.

„Wir muten den Menschen viel zu“

„Es macht mir keinen Spaß. Wir muten den Menschen viel zu“, betonte Reiner Austermann am Rande der Ansprache. Auch ihm selbst falle es schwer, sollte doch beispielsweise genau an diesem Mittwochabend der erste Lemgoer Abendmarkt stattfinden. „Das wäre herrlich gewesen bei diesem Wetter.“ Und dennoch: Was auch immer nötig – und rechtlich möglich – sei, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, werde die Stadt Lemgo tun.

Denn als Ingenieur weiß der Lemgoer Bürgermeister genau, was exponentielles Wachstum bedeutet. „Maßnahmen wirken erst nach zehn bis vierzehn Tagen. Bis dahin haben wir regelmäßig eine Verdopplung der Zahlen.“ Die Gesundheitsversorgung gerate extrem unter Druck. „Die Maßnahmen reichen nicht aus, befürchten wir. Wir werden eine große Anzahl von Patienten haben in den nächsten Tagen.“

Und während manche in Panik geraten und irrationale Handlungen ausführen, etwa Toilettenpapier horten, gehen andere weiter mit Freunden aus. „Die meisten Menschen haben das Gefühl, dass sie das Risiko nicht betrifft.“ Dabei sei die große Gefahr nicht nur die direkte Infektion mit dem Corona-Virus: „Niemand von denen, die jetzt noch nett zusammensitzen, weiß, ob er nicht in der nächsten Woche einen Unfall haben und Intensivmedizin brauchen wird.“ Wenn dann die Kliniken mit Corona-Patienten überfüllt seien, könnte diesem Patienten schlimmstenfalls niemand mehr helfen.

107 Fälle in Lippe

Es werden Menschen sterben, sagt er deutlich, und es werden auch Menschen ihren Job verlieren. Kredite seien für Selbständige kaum eine Lösung: „Es muss Geld her, wir brauchen Zuschüsse.“ Aber das kann Lemgo nicht entscheiden. Dafür habe man sich aber bemüht, Klarheit zu schaffen, als die Geschäftsleute in den vergangenen Tagen nicht wussten, ob und wie sie öffnen dürften. „Unser Krisenstab funktioniert ausgesprochen gut, und unsere Verwaltung funktioniert ausgesprochen gut.“ Alle politischen Parteien stünden zusammen.

Und so geht der Blick nach vorn. Jetzt gelte es erst einmal, über Ostern zu kommen und zu schauen, was die Maßnahmen bewirken. Hier sei jeder einzelne gefragt. Aber irgendwann sei es ausgestanden. „Nach dieser Krise wird nichts so sein wie vorher – vor allem nicht unsere Einstellung.“ Aber bis dahin gehe es darum, das schlimmste zu verhindern: Den Kollaps des Gesundheitssystems. „Meine Aufgabe ist es, meinen Teil dazu beizutragen.“

Wie ernst die Lage ist, zeigen die aktuellen Zahlen: Inzwischen gibt es in Lippe 107 bestätigte Coronafälle – damit sind am Mittwoch 20 neue Fälle dazugekommen. Und inzwischen kommt es auch zu Ansteckungen hier vor Ort.

 

 
Den Redetext zum Nachlesen finden Sie auf der Website der Stadt Lemgo.